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Junip heißt die Band von José González (Gitarre, Gesang), Tobias Winterkorn (Keyboard, Orgel) und Elias Araya (Schlagzeug, Percussion). Es ist aber genauso der Titel ihres zweiten Albums. Die drei Jahre zwischen dem Debütalbum „Fields“ (2010) und seinem Nachfolger wirken lächerlich kurz, bedenkt man, dass das Debüt erst zwölf Jahre nach Gründung der Band erschien. Der geringe Output in den Anfangsjahren war ganz einfach dem Solo-Erfolg von González geschuldet. Während sich seine Stücke zumeist nur auf seine sanfte Stimme und eine sparsame Instrumentierung stützten, bildet Junip das musikalische Gegenstück dazu. Die drei Musiker und ihre Instrumente funktionieren als Einheit, sind aufeinander angewiesen. González’ Gitarrenspiel wird ergänzt durch Winterkorns markante, bisweilen scheppernde Basstöne und Arayas groovige Percussion.

Junip - González, Winterkorn, Araya. (Bild: Funkfaktor Radio PR)

Junip – González, Winterkorn, Araya. (Bild: Funkfaktor Radio PR)

Junips Songs gleichen einem musikalischen Schichtsalat: klare Rhythmen hier, perfekt abgeschmeckte, sphärische Instrumentierung da, etwas klein geschnittene Wucht und das Ganze garniert mit etwas Kraut(rock). All diese Ingredienzen entfalten nach und nach ihre musikalische Kraft und Würze. Selbst José González’ zu Beginn klarer Gesang fügt sich bisweilen gegen Ende der Songs so in den Reigen der Instrumente ein, dass er nur noch ein Akzent in der breiten Geräuschwand ist. Wie auch auf dem Vorgänger verzichten Junip weitgehend auf das Strophe/Refrain-Schema, stattdessen variieren sie jeweils ein durchdachtes Grundmotiv, verlangsamen es oder treiben es auf die Spitze und statten es liebevoll mit musikalischen Details aus. Gelegentlich steht ihnen auch der Sinn nach einer klare Linie, wie die Popanleihen im Fast-schon-Hit „Your Life, Your Call“ verdeutlichen. Zu diesem Song und zur ersten Single „Line of Fire“ – die mal eben das Zeug zum Lied des Jahres hat – haben Junip zusammen mit Regisseur Mikel Cee Karlsson zwei Videos produziert, die in nüchternen, kurzen, überwiegend geloopten Sequenzen eine abgründige Familiengeschichte erzählen.

Auch die Lyrics zeigen sich überwiegend düster und traurig, doch ab und zu blinzelt auch mal die Sonne durch die Wolken in González’ Kopf. Es ging ihm darum, unspezifische und dennoch tiefe Emotionen zu kreieren, die jeder nachempfinden kann. Die Thematik geht daher leider nicht über die großen Schlagworte Liebe, Tod, Veränderung, Entscheidung hinaus. Die Über-Single „Line of Fire“, der Knapp-Zweiminüter und musikalische Ausreißer „Villain“, die karibischen Klänge in „Baton“ und das ungewohnt optimistische „Suddenly“ bringen angenehme Abwechslung in das Album, ohne es von seinem Konzept und seiner klaren musikalischen Linie abzubringen. „Junip“ ist durchweg ein Album in bester Junip-Manier, auf dessen dichten, flauschigen Klangteppichen man sowohl verträumt liegen als auch leichtfüßig tanzen kann.

„Junip“ erschien am 19. April 2013 bei City Slang (Universal). Für den Record Store Day am 20. April 2013 erschien das Album zudem als blaue Colored Vinyl Edition.

Dieser Artikel sowie ein Studiogespräch über das Album “Junip” sind auch bei mephisto 97.6 zu finden.

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