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Der Bassist ausgestiegen, das Label aufgelöst – Mikrokosmos23 hatten für ihr drittes Album nicht die besten Voraussetzungen. Doch Melancholie kommt bei den Emo-Punkern allenfalls in der Musik auf. Heute veröffentlicht die Band ihr drittes Album “Alles lebt. Alles bleibt”. Wir sprachen vor einigen Wochen mit Sänger Peter Löwe und dem neuen Bassisten Steffen Oks über schlechte Nachrichten, die Kunst des Freimachens und den “Gott” facebook.

Warm anziehen! Mikrokosmos23 veröffentlichen ihr drittes Album „Alles lebt. Alles bleibt.“ (Bild: Unter Schafen)

Warm anziehen! Mikrokosmos23 veröffentlichen ihr drittes Album „Alles lebt. Alles bleibt.“ (Bild: Unter Schafen)

Das neue Jahr hat gerade erst begonnen. Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Mit welchen drei Worten würdet ihr das Jahr 2012 privat für euch beschreiben?

Steffen: Es war ein schönes Jahr privat für mich. Es war auch schwierig eine Zeit lang, aber ansonsten war das echt ein schönes Jahr. Auf jeden Fall.

Peter: Und die drei Worte?

Steffen: In drei Worten: Es war schön, ja (lacht).

Peter: Es war schon ein spannendes Jahr. Eigentlich kam es einem immer so vor, als ob wir mega-unproduktiv gewesen wären, aber im Hintergrund ist schon viel gelaufen. Deswegen erstes Wort auf jeden Fall “anstrengend”. “Anstrengend”, “schön” und (überlegt) “schwanger”.

Das Jahr davor, 2011, ging ja mit einem ziemlichen Knall zu Ende, als sich euer Label Unterm Durchschnitt im November auflöste. Wann und wie hat euch die Nachricht erreicht?

Peter: Ich hab es von Tom, unserem Schlagzeuger, erfahren. Wir waren gerade auf einem Konzert. Man steht halt erstmal da und guckt und denkt sich, “Oh, Mist!” und dann hat man eigentlich kaum Zeit, darüber nachzudenken, es muss ja irgendwie weitergehen. Wir hatten gerade unser Album aufgenommen und da muss man ganz schnell sagen, “Kopf hoch!” Anders geht das nicht.

Wie verlief dann die Suche nach einem neuen Label? Hat es euch unter Druck gesetzt, dass ihr das Album schon fertig produziert hattet?

Peter: Unter Druck gesetzt nicht, es war eigentlich ganz praktisch, weil man schon ein fast fertiges Resultat an Labels schicken konnte, weswegen die Suche ganz gut geklappt hat und wir mit Unter Schafen ein sehr sehr schönes Label gefunden haben.

Sind die auf euch zugekommen oder habt ihr die ausgesucht?

Peter: Der Kontakt kam zustande über Blackmail. Kurt Ebelhäuser von Blackmail produziert ja unsere Alben und über ihn kam das zustande. Der hat uns auch bestätigt, dass Timo [Löwenstein, Label-Chef] ein guter Typ ist und jetzt im Februar kommt ja auch das neue Blackmail-Album bei Unter Schafen raus, also lief schon alles gut so.

Du hast Kurt Ebelhäuser gerade schon angesprochen. Euer letztes Album „Memorandum“ habt ihr auch mit ihm aufgenommen. Ich finde, bei seinen Produktionen hört man seinen Einfluss immer ziemlich deutlich raus, ob es Chöre sind, ob es Gitarrenmelodien sind. Welchen Einfluss hatte er auf euer neues Album? Wo hört man das am meisten raus?

Peter: Dieses Mal sind wir zum ersten Mal teilweise mit noch nicht ganz fertigen Liedern ins Studio gegangen und wir waren für unsere Verhältnisse auch ziemlich lange im Studio, sodass wir genug Zeit hatten, miteinander zu sprechen, miteinander Musik zu machen und irgendwo haben wir uns da in der Mitte getroffen. Kurt hat immer Einfluss auf seine Platten, das ist klar, mal mehr mal weniger. Ich denke, auf der neuen Platte hat er einen größeren Einfluss als auf “Memorandum”. Es ist eine Kurt-Ebelhäuser-Produktion, das hört man und das ist nicht das Schlechteste der Welt.

Woran machst du das fest, dass er mehr Einfluss hatte?

Peter: Einfach vom Gefühl her, wie wir an die Lieder herangegangen sind. Wr haben uns auch ziemlich geöffnet demgegenüber, während wir bei der “Memorandum” immer noch unsere eigene Meinung durchsetzen wollten. Da dachten wir, ‘Jetzt sind wir in den Proberaum gegangen, haben das geschrieben und so soll es sein.’ Da waren wir ziemlich verkopft. Bei der neuen Platte sind wir sehr viel freier an die Sache herangegangen und haben auch Einflüsse von Kurt zugelassen und man wird auf dem Album hören, dass es ihm zugute gekommen ist.

Kurt war ja nicht der einzige Ebelhäuser, der an dem Album mitgewirkt hat, sein Bruder Carlos hat Bass gespielt. Wie hat sich das nach dem Ausstieg eures vorherigen Bassisten Toni Petraschk ergeben?

Peter: Ich weiß gar nicht, wie wir uns das gedacht hatten. Auf jeden Fall war es eine sehr spontane Sache. Es hat sich, glaube ich, einen Tag vorher ergeben, dass Carlos gesagt hat, er würde das liebend gerne einspielen und da haben wir uns gefreut. Ich glaube, in zwei Tagen hatte er das komplette Album eingespielt, ohne die Lieder großartig vorher zu kennen und das hat er unfassbar gut gemacht. Aber die Bass-Leistung sollte vielleicht lieber Steffen erörtern.

Steffen: Die Bassläufe sind echt super und die passen richtig gut in die Lieder rein. Man merkt bei den neueren Liedern, dass der Bass jetzt eine prägnantere Rolle spielt. Auch dadurch, dass Carlos sehr prägnante Melodien spielt und einen ziemlichen Drive hat am Bass. Es macht mir Spaß, die Sachen zu spielen.

Bleiben wir gleich dabei. Ich hatte das Gefühl, dass der Ausstieg von Toni relativ plötzlich kam. Wie überraschend war es tatsächlich für euch?

Peter: Tonis Interessen hatten sich schon längere Zeit gewandelt, auch sein Musikgeschmack. Man hat immer so ein bisschen gemerkt, dass es nicht 100% optimal für ihn läuft, wenn wir auf Tour sind, wenn wir Songs schreiben oder was auch immer machen mit der Band. Überraschend war es dann wiederum, weil es sich über so eine lange Zeit gezogen hat, dass er dann wirklich den Schritt getan hat und gesagt hat, ‘Ich höre auf’. Es war für ihn definitiv auch nicht einfach. Er war von Anfang an dabei, sieben Jahre und das ist schon hart, also ich stelle mir das ganz krass vor. Jetzt fragt er immer, ob er mit auf Tour fahren kann als Tourbegleiter. Das ist gut und das wird er definitiv auch tun.

War von Anfang an klar, dass ihr Ersatz braucht oder stand die Drei-Personen-Lösung auch mal im Raum?

Peter: Nein, die Drei-Personen-Lösung stand nie im Raum. Wir haben einen neuen Bassisten gesucht, hatten eine Tour gespielt, im Oktober 2011. Da hat ein Freund von mir Bass gespielt. Der ist dann wiederum bei der großartigen Band Lara Korona eingestiegen und wir haben zeitgleich Steffen gefunden, was eine optimale Lösung war.

Steffen, kannst du vielleicht erläutern, wie es dazu gekommen ist?

Steffen: Matthias, der Gitarrist und ich, wir haben über das Thema geredet, dass auch Mikrokosmos23 gerade einen neuen Bassisten suchen und ich war auch schon vorher Fan der Musik. Ich habe die “Memorandum” echt geliebt und gerne gehört. Und da hat Matthias mich gefragt, ob ich Lust drauf hätte und ich konnte mir das sehr gut vorstellen. Und dann habe ich Peter näher kennengelernt und Tom. Ich habe die neuen Lieder angehört und fand die spitzenmäßig und ich wollte das unbedingt. Dann mussten Peter und Tom mich ja noch sehen und kennenlernen und schauen, ob das klappt, persönlich und musikalisch. Das hat ja eigentlich ganz gut geklappt, bis jetzt (lacht).

Ihr seid ja immer noch auf verschiedene Städte verteilt: Dresden, Chemnitz, Halle. Wie managt ihr das? Wie oft seht ihr euch zum Proben oder ähnliches?

Steffen: Das ist ziemlich schwierig, sich immer zum Proben zu treffen, aber alle zwei Wochen klappt das eigentlich meistens. Es ist ein logistischer Aufwand, aber das kriegen wir alle hin, denke ich. Peter, was sagst du?

Peter: Wir haben einen heftig engen Zeitplan, was das alles angeht. Man muss das richtig im Voraus planen, dass alle Zeit haben, dass niemand sich was vornimmt. Und dann ziehen wir auch meistens ein Wochenende durch, wenn wir alle mal in Dresden sind, wo unser Proberaum ist. Es ist nicht die optimale Lösung, aber es klappt.

Im Dezember habt ihr die ersten Konzerte seit 14 Monaten gespielt. Was hat euch nach der langen Live-Pause am meisten überrascht?

Peter: Dass wir gut sind (lacht). Dass wir unsere Lieder momentan besser spielen als je zuvor. Ich war wirklich überrascht, dass auf der Tour im Dezember tatsächlich einige Leute da waren. Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen. Das war menschlich wie musikalisch wahrscheinlich die beste Tour, die wir je gespielt haben.

Steffen: Dass so viele Leute da waren, das war spitzenmäßig, hat mich auch sehr gefreut. Es hat mich gefreut, mit den Jungs mal auf einer Bühne zu stehen und nicht nur im Proberaum, weil das auch richtig gut harmoniert hat auf der Bühne, aber das hat mich nicht überrascht. Es hat mich gefreut, dass es so ist.

Ihr sagt, ihr seid vom Schlimmsten ausgegangen und wart überrascht, dass so viele Leute da waren. Widerlegt das die These, dass man in Zeiten von Web 2.0 ständig etwas machen muss, um im Gespräch zu bleiben?

Peter: Facebook ist momentan Gott in allen Lebensbereichen, ob das Job ist, ob das Privatleben ist. Man merkt bei manchen Bands, aber auch bei Privatpersonen, dass man da komplett inhaltlose Sachen postet, einfach nur, um nicht vergessen zu werden. Ich würde nicht sagen, dass man es machen muss. Die Tour könnte man so interpretieren, dass, wenn man coole Leute im Publikum hat, die auch nach über einem Jahr immer noch die Konzerte besuchen.

Der Tour-Auftakt war am 4. Dezember in den lala-Studios in Leipzig. Beim Hören der ersten neuen Lieder dort hatte ich das Gefühl, dass die eingängigen Melodien und die Refrains euch noch wichtiger geworden sind als auf “Memorandum”. Könnt ihr diesen Eindruck bestätigen?

Peter: Ich kann das bestätigen. Tief im inneren sind wir ja schon immer Popperschweine gewesen. Dass es früher kaum definierbare Refrains gab, liegt daran, dass wir unfassbar jung waren. Bei dem ersten Album gibt es, glaube ich, gar keinen Refrain. Das ist halt so Emo-Post-Hardcore-Kram gewesen, wo das auch überflüssig ist. Die Musik hat sich geändert. Dass wir auf dem neuen Album definiertere Songstrukturen haben, liegt wohl daran, dass wir einfach dazugelernt haben. Ich persönlich finde das gut, aber es ist halt immer Geschmackssache.

Auch die Instrumentierung hat sich erweitert. Es gibt zum Beispiel häufigeren Keyboard-Einsatz und Bläser. Es entwickelt sich weg von der ursprünglichen Punkrock- und Emo-Instrumentierung. Ist das der Weg, den ihr auch weiterhin gehen werdet?

Peter: Das wissen wir gar nicht. Es war ein bisschen eine Affekt-Handlung, dass wir auf dem neuen Album auch Sachen wie Keyboarder oder Streicher zugelassen haben. Wir hatten auch die zwei Bläser von The Bandgeek Mafia da. Die Keyboards hat ein Freund von mir, Felix Weigt aus Hamburg gemacht, den ich über Spaceman Spiff kennengelernt habe. Wir haben ihn eingeladen ins Studio und haben ihn machen lassen. Das ist auch dieser Prozess des Freimachens gewesen, dass man einfach mal was zulässt. Das haben wir gemacht und es steht dem gut zu Gesicht.

Hatten ihr das Gefühl, euch von etwas freimachen zu müssen oder hat sich das spontan ergeben

Peter: Wir wollten uns kein Ziel setzen. Wir haben gesagt, ‘Wir nehmen ein Album auf und gucken, wie es wird’. Als wir ins Studio gegangen sind, wussten wir teilweise gar nicht, wie die Lieder am Ende klingen werden. Kurt Ebelhäuser ist ja auch ein Experimentier-Mensch und das war interessant und aufschlussreich und schön.

Alles lebt. Alles bleibt” erscheint am 25. Januar. Was werdet ihr an diesem Tag tun?

Peter: Unsere Record Release Feier ist schon eine Woche vorher in Dresden im Ostpol. Ich denke, ich werde in einen Plattenladen gehen und einfach mal gucken und dann treffen wir uns bestimmt – ist ja ein Freitag – und betrinken uns (lacht).

Steffen: Das klingt nach einem Plan.

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One thought on “„Tief im Inneren waren wir immer Popperschweine“ – Mikrokosmos23 über ihr neues Album

  1. Ich finde Memorandum um einiges besser als die neue Platte was aber, wie auch erwähnt wurde, geschmackssache ist. Finde es schade das die alten Wege nichtmehr gänzlich fortgeführt werden weil das im deuschtsprachigen Raum für mich zum besten zählte aber ich freue mich für die Band das sie sich “befreien” konnten :D

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