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Für ihr Debüt einst hochgelobt und vor zwei Jahren von der Musikpresse beinahe totgesagt präsentieren sich Bloc Party jetzt lebendig wie nie und präsentieren mit “Four“ ein Kraftbündel von einem Album, das den Hörer zunächst verwundert, fordert und letztendlich mit einer dreiviertel Stunde anspruchsvollem Postpunk belohnt.

(Bild: Frenchkiss Records)

Schon die Vorab-Single „Octopus“ deutete es an: auf „Four“ haben sich Bloc Party soundtechnisch wieder neu positioniert. Gleich der erste Song „So he begins to lie“ fliegt einem ordentlich um die Ohren und beim ersten, eigentlich auch beim zweiten Hören des Albums bleibt ein Stirnrunzeln ob des klaren, bisweilen hardrockigen Klangs nicht aus. Doch schnell wird erkennbar, dass man es hier mit einer Herzensangelegenheit zu tun hat, mit einem Werk, dem die vier Briten nach ihrer offensichtlich wohltuenden Bandpause so viel Liebe entgegengebracht haben, wie einem verlorengeglaubten Kinderspielzeug, das man nach Jahren auf dem Dachboden wiederfindet und selig an die Brust drückt.

Jedem Song haben sie gleich viel Aufmerksamkeit geschenkt und statt den Beatmaschinen, Loops, Versatzstücken und digitalen Verzerrungen, denen sich Gitarre, Bass und Schlagzeug auf dem Vorgänger „Intimacy“ unterwerfen mussten, räumen Bloc Party den Instrumenten auf „Four“ wieder den verdienten ersten Platz im Soundgefüge ein. Auch für die Band bisher untypische Klänge setzen Akzente: Ein Banjo verpasst „Real Talk“ den nötigen Antrieb und „Day Four“ wird von Streichern zu einem runden Ende gebracht.

Neben den Neuerungen hat das Quartett zwei seiner größten Stärken beibehalten: Keles ausgefeilte Lyrics pendeln immer noch gekonnt zwischen zitierfähigen Mitsingmomenten und kryptischem, verzerrtem Geschrei. Auch wechseln Bloc Party nach wie vor geschickt zwischen Power-geladenen Tanznummern und ruhigen, halbschnellen Balladen. Die laute, manische, krachbetonte Seite von „Four“ klingt mit Songs wie „3×3“ und „Coliseum“, als hätten Bloc Party am Staub alter Hardrock-Platten geschnuppert. Dagegen driften Balladen wie „Truth“ andererseits beinahe schon ins Seicht-Poppige ab.

Die Oberfläche des durchdachten, sauber produzierten Albums lässt an einigen Stellen ein paar Schrammen vermissen, doch Energie, Lautstärke und Keles markanter Gesang gleichen das aus und machen große Vorfreunde darauf, das Album und die Band live zu erleben. Die vierjährige Pause hat Bloc Party sichtlich gut getan, „Four“ nährt sich gleichermaßen aus den Fehlern und Erfolgen seiner Vorgänger. Es beschränkt sich auf das Wesentliche, aber macht das Wesentliche dennoch zum Besonderen.

„Four“ erscheint am 24. August 2012 auf dem Label Frenchkiss Records. Vorhören kann man das komplette Album bereits hier.

Dieser Beitrag sowie ein Studiogespräch erschienen ursprünglich bei mephisto 97.6.

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One thought on “4 Jahre Warten + 4 Freunde + 4. Album = “Four”

  1. Anscheinend reicht zweimaliges Durchhören echt nicht aus, um den Zugang zur Platte zu finden. Irgendwie ist es die Lead-Gitarre, dich mich immer wieder zweifeln lässt…

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