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„All or Nothing“, „auch“, „Wake the dogs“ und „Ballast der Republik“ – mit neuen Studioalben feiern (Pop-)Punk-Veteranen der Achtziger und Neunziger Jahre wie Pennywise, Die Ärzte, Die Toten Hosen oder die donots seit April ihren x-ten Frühling. Auch Hot Water Music reihen sich ein.

(Bild: Cardiac Communication Ltd.)

Wie bei einigen der Kollegen spricht auch beim neuen Album der Band aus Florida der „Wir-sind-immer-noch-hier-Trotz“ bereits aus dem Albumtitel: Mit „Exister“ meldet sich nach acht Jahren ohne Studioalbum eine der einflussreichsten Punkrock-Bands im Ring zurück. Erst im letzten Jahr feierte der von Chuck Ragan und Co. geprägte Sound eine erneute Renaissance. Junge Bands wie Make Do and Mend oder Title Fight zeigten, dass der von Hot Water Music geprägte heißere, mehrstimmige Gesang und der melodiös-krachige Sound immer noch Konjunktur haben.

Obwohl ein Großteil der Bandbesetzung seit „The New what Next“ von 2004 in andere musikalische Projekte involviert war, bleibt der Hot Water Music-Sound von diesen Exkursen nahezu unberührt: Gegeneinanderlaufende Gitarrenlinien, mehrstimmiger Gesang und ein kraftvolles Schlagzeugspiel sind nach wie vor die tragenden Säulen der Musik des Quartetts. Darüber hinaus setzen sie die Entwicklung hin zu einem krachigerem Bandsound fort. Einzelne Gitarren- oder Basslinien stehen weniger häufig im Fokus als sie es auf den Alben zur Jahrtausendwende taten. Dennoch überzeugen Hot Water Music mit einer musikalischen Tiefe, die auch im 21. Jahrhundert unter Punkbands die Ausnahme ist. So setzt sich „Drag my body“, die erste Single von „Exister“, wie ein Ravensburger-Puzzle zusammen. Das Grundgerüst des Songs bildet das charakteristische Bassspiel von Jason Black, das von funkelnden Gitarren-Einsprengseln umspielt wird, ehe der wuchtige Refrain dazwischen prescht – ein Teil passt ins andere.

Perfekt in dieses Puzzle passt auch der raue, heisere Gesang von Chris Wollard und Chuck Ragan, der nichts von seiner Kraft verloren hat. Mit einer Stimme, die klingt, als würde er täglich mit Rasierklingeln gurgeln, ruft Ragan seine Empfindungen und Beobachtungen in die Welt hinaus. Der Tonfall reicht von trotzig („Paid in full“) über nachdenklich („No end left in sight“) bis hin zu enthusiastisch („The Traps“). Auffallend sind die häufigen „Wohoo“-Chöre, die Hot Water Music dem Pop-Punk entnommen haben und die vor allem auf Konzerten für Stimmung sorgen werden.

Hot Water Music sind mit neuen Songs zurück. Allein diese Nachricht sorgte im Punkrock-Lager für Begeisterung. Dass eine der technisch versiertesten Genrebands trotz der langen Pause ohne Probleme an den Sound der letzten Platten anknüpfen kann, beweist ihre Klasse. Offensichtliche Hits sind auf „Exister“ Mangelware, Enttäuschungen aber auch. Das Album besticht durch eine gleichbleibend hohe Qualität und bietet genügend Stoff, um die mögliche nächste längere Bandpause überbrücken zu können.

“Exister” ist am 18. Mai bei Rykodisc/Warner erschienen, kaufen kann man die Platte zum Beispiel bei Flight 13.

Lieblingszeile: “We are here and time is relevant to mainline every worthy element.” (“Mainline”)

Diese Rezension erschien auch beim Leipziger Radiosender mephisto 97.6. Ein Studiogespräch dazu kann man hier nachhören.

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