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Drei junge Menschen hören auf einem Konzert der schwedischen Band Logh eine Coverversion des Bruce Springsteen-Songs “The Ghost of Tom Joad” von Jose Gonzales‘ Band Junip. Davon sind sie so begeistert, dass sie beschließen, ihr musikalisches Herumexperimentieren ernst zu nehmen, von nun an unter diesem Namen gemeinsam Musik zu machen und sich den Arsch abzuspielen. So und nicht anders begann im Jahr 2006 die Geschichte von Ghost of Tom Joad, die in dieser Woche mit einer kurzen Abschiedtour viel zu früh ihr Ende findet.

Henrik Roger (Gesang und sechs Saiten), Jens Mehring (vier Saiten) und Christoph Schneider (Trommeln) wurden schnell unter die Fittiche des ebenfalls aus dem Großraum Münster stammenden Ex-Muff Potter Dennis Scheider genommen. Er packte ihre Platten auf sein kleines Label Richard Mohlmann Records und war zugleich ihr Manager und Produzent. Musikalisch von ihrem Namensgeber Springsteen etwas entfernt variierte die musikalische Inspiration der Drei von Punk über Songwriter bis Soul und Hip Hop, was an Ghost of Tom Joads musikalischer Genese deutlich hörbar wurde.

2007 knallten sie mit „Is This What You Call A Fronterlebnis?” eine EP voller Punk, Indie und Stakkato-Refrains auf den Tisch – mit dem hörbaren Willen Großes zu schaffen. Zunächst vor allem als Vorband, unter anderem von Muff Potter, Madsen, The Lost Patrol Band, Maximo Park, Kettcar und Samiam, spielten sie sich von einem Auftitt zum nächsten. Das erste Album “No Sleep until Ostkreuz” wollte und versprach viel. Von ihm aus führte der Weg weiter, auf dem Sänger Henrik Roger wie schon im Albumtitel ab und zu im besten Sinne über die ein oder andere deutschsprachige Zeile stolperte. Das gab auch dem Lied “Into the Wild” seine Intensivität, seine Ehrlichkeit und seinen Platz in meiner Liste der verdammt noch mal besten Songs aller Zeiten.

Achja, und einen Platz auf dem Nachfolgeablum “Matterhorn”. Mit diesem hatte sich das Nachwuchsbandimage schnell erledigt, die Musik nun weniger Schrammel und mehr New Wave, die Texte nicht mehr über große Pläne sondern über das Scheitern solcher. Der tatsächlich bergähnlichen Größe dieses Albums, seiner Zitier- und Gänsehaut-Fähigkeit sind sich Ghost of Tom Joad vielleicht gar nicht bewusst genug. Deutlich beatlastiger, Hip Hop- und Soul-inspiriert, ausgreift und hochgradig alles versprechend erschien dann im Frühjahr 2011 die Platte “Black Musik“. Zwischenbilanz: sechs Jahre, drei Alben, zwei EPs, der verdiente Ruf eine der besten Livebands hierzulande zu sein und Musik, die sicher so einige Leben verändert hat, meines in jedem Falle.

Und dann war am 13. Januar plötzlich Schluss. Einfach so, mit einem skurilen Rückwärts-Video über Facebook. Das war schon ein wenig wie Schlussmachen per SMS. Entrüstung, Traurigkeit und Akzeptanzverweigerung waren groß, am Ende aber nicht groß genug. Eine talentierte und ehrliche Band wirft das Handtuch, während ihre Form- und Karrierkurve noch mitten im Anstieg ist – ohne große Begründung, aber anscheinend auch ohne böses Blut. Nun werden wir nie erfahren, wie der Song über Nina Hagen geklungen hätte. Zu den über 200 gespielten Konzerten gesellen sich nur noch die fünf der Abschiedstour hinzu, die gestern in Hamburg startete.

Danach ist Schluss. Menno. Ganz ehrlich Jungs, ihr werdet fehlen. Sehr.

Fuck that record collection, ’cause your songs are all I need and all I’ve got.

Tourtermine:
19.04. Bremen, Tower
20.04. Stuttgart, Kellerclub (mit Seniore Matze Rossi)
21.04. Berlin, Comet (ausverkauft) (mit Manuel Kant)
22.04. Münster, Sputnikhalle

Dieser Artikel ist nur auf dieser Homepage erschienen.

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