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Die Goethe-Institute sind eine feine Sache. Seit über 60 Jahren sind sie Botschafter für deutsche Kultur und Sprache weltweit und fördern kulturellen Austausch auf globaler Ebene. Vergangene Woche hat das Goethe-Institut Niederlande den Singer/Songwriter Spaceman Spiff und den Autoren Finn-Ole Heinrich für 5 Tage auf Lese-Musizier-Reise quer durchs flache Land geschickt. Ich hatte das Glück, die beiden in Amsterdam zu erleben.

Was für Hannes Wittmer als Spaceman Spiff vor knapp zwei Jahren mit einem Myspace-Profil, einer Gitarre und dem eher zufällig aufgenommenen Album “Bodenangst” begann, hat sich zu einem zweiten, nicht weniger als grandiosen Album namens “…und im fenster immer noch wetter” entwickelt und resultiert mittlerweile in einem ausgeprägten Tourleben (mit ungefähr 90 Konzerten pro Jahr), bei dem der Songwriter von Zeit zu Zeit von Musikerfreunden begleitet wird. Seine Musik und vor allem seine Texte würden manche vielleicht in die Schublade “Betroffenheitspop” stecken und diese fest verschließen. Ich bin jedoch nach wie vor sehr, sehr angetan davon und der Meinung, Spaceman Spiff braucht sich und seine Gitrarre keinesfalls vor Kollegen der deutschsprachigen Songwriterszene wie Gisbert zu Knyphausen oder Moritz Krämer zu verstecken.

Finn-Ole Heinrich war mir bis dato weniger bekannt. Der studierte “Diplom-Künstler” (Bildende Kunst/Film), wie er selbst sagt, hat mittlerweile zwei Erzählbande, den Roman “Räuberhände” sowie das Kinderbuch “Frerk, du Zwerg!” publiziert, an dessen Bühnenfassung er zurzeit arbeitet. Er ist außerdem Drehbuchautor (im endlosen Kampf mit der deutschen Filmbranche) und zeichnet sich verantwortlich für zwei Musikvideos von Spaceman Spiff. Mich fasziniert vor allem Finn-Ole Heinrichs Erzählweise. Die Melancholie seiner Texte hüllt Leser/Hörer nicht in einen dicken Mantel aus Taubheit und Düsternis, sondern durchfährt sie mit einer (bisweilen schmerzhaften) Klarheit und Bildlichkeit, die einen beinahe davon überzeugt, Heinrich habe alle seine Erzählungen selbst erlebt und würde dem Gegenüber nun ganz persönlich Zeugnis darüber ablegen.

In Amsterdam haben die beiden unter dem Titel “Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf” aber nicht einfach abwechselnd ihre Geschichten beziehungweise Musik in die Welt posaunt. Sie haben mal zusammen, mal getrennt ihre Kunst in Töne umgewandelt. Vorgelesen, gespielt, in den richtigen Momenten einen Musikteppich aus Loops darunter gelegt, Videos gezeigt. Beide schaffen es, mit der vermeintlich so harten deutschen Sprache wunderbare Wortgewebe zu spinnen, sanft und traurig-schön. Sie haben das aber keineswegs zum ersten Mal gemeinsam gemacht, “Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf” ist bereits als Audiobook erschienen.

Nun vereint die beiden nicht nur ihr großes Talent, mit einer rauhen Sprache auf eine leise aber sehr durchdringede, berührende Weise Kunst zu schaffen, sondern auch der kleine mairisch Verlag, bei dem die Werke beider erscheinen. Ja – auch die Alben von Spaceman Spiff. Ein sympatisches Statement der Andersartigkeit, das er unter anderem damit begründet, bei mairisch einfach “keine Kompromisse eingehen oder Freiheiten abgeben” zu müssen, wie es bei Plattenlabels oft der Fall sei.

Der marisch Verlag ist auch dieses Jahr wieder auf der Leipziger Buchmesse vertreten, die ab morgen bis Sonntag stattfindet. Auch wenn Spaceman Spiff und Finn-Ole Heinrich dieses Jahr nicht dort sein werden, lohnt sich ein Besuch bei mairisch auf jeden Fall. Solltet ihr also auf der Messe herumwandern, schaut unbedingt beim Stand D 118 in der Halle 5 vorbei. mairisch und seine Autoren werden während der vier Tage auch bei zahlreichen anderen Veranstaltungen in Leipzig zugegen sein (unter anderem im Horns Erben, in der Moritzbastei und dem Lindenfels Westflügel).

Dieser Artikel ist nur auf dieser Homepage erschienen.

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